Themenübersicht
- Was ist die Berufsmaturität – und was bringt sie?
- BM1 oder BM2: Welcher Weg passt zu Dir?
- Kauffrau:mann EFZ mit BM an der HSO: Wie läuft das M-Profil ab?
- Was kostet die Berufsmaturität an der HSO?
- Aufnahme & Voraussetzungen: Wer wird zugelassen?
- FH, Uni und ETH: Wie weit öffnet die BM die Türen?
- BM-Ausrichtungen: Welche passt zu Dir?
- Karriere-Vorteile: Was bringt die BM für den Einstieg?
- Für wen lohnt sich die Berufsmaturität NICHT?
- Berufsmaturität: Lohnt sie sich wirklich?
- Häufige Fragen zur Berufsmaturität
Das Wichtigste in Kürze
- Die Berufsmaturität (BM) kombiniert die EFZ-Grundbildung mit vertiefter Allgemeinbildung und öffnet prüfungsfrei die Tür zur Fachhochschule.
- BM1 läuft parallel zur Lehre, BM2 folgt nach dem EFZ (Vollzeit 1 Jahr oder berufsbegleitend 1,5–2 Jahre) – beide führen zum selben Abschluss.
- Der grosse Teil der BM-Absolvierenden beginnt danach ein Tertiärstudium, am häufigsten an einer Fachhochschule.
- Das Kauffrau:mann EFZ mit Berufsmaturität (M-Profil) an der HSO dauert 3 Jahre (6 Semester), startet jährlich im August und findet vor Ort in Zürich-Oerlikon statt.
- Für den Zugang zu Universität oder ETH brauchst Du zusätzlich die Passerelle-Prüfung – die BM allein reicht dafür nicht.
Du steckst in der Lehre oder hast Dein EFZ in der Tasche und fragst Dich, wie es weitergeht? Die Berufsmaturität ist der direkte Weg zu einem Hochschulstudium, ohne dass Du den Praxisbezug aufgibst. Sie verbindet Deine Berufsausbildung mit erweiterter Allgemeinbildung und macht Dich studierfähig für die Fachhochschule. Dieser Beitrag zeigt Dir, was BM1 von BM2 unterscheidet, was die Ausbildung an der HSO kostet, wer zugelassen wird und für wen sich der Schritt lohnt.

Was ist die Berufsmaturität – und was bringt sie?
Die Berufsmaturität ist ein eidgenössisch anerkannter Abschluss, der Deine berufliche Grundbildung (EFZ) um eine vertiefte Allgemeinbildung ergänzt und Dir den prüfungsfreien Zugang zur Fachhochschule eröffnet. Vereinfacht gilt: BM = EFZ + erweiterte Allgemeinbildung. Du absolvierst zusätzlich zur Lehre einen anspruchsvollen schulischen Teil mit Fächern wie Mathematik, Deutsch, zwei Fremdsprachen, Finanz- und Rechnungswesen sowie Wirtschaft und Recht.
Der grosse Vorteil: Du erhältst zwei vollwertige Abschlüsse in einem Bildungsgang – das eidgenössische Fähigkeitszeugnis und die Berufsmaturität. Statt Dich zwischen Praxis und Theorie entscheiden zu müssen, kombinierst Du beides. Damit ist die BM eine echte Alternative zur gymnasialen Maturität, behält aber den engen Bezug zur Arbeitswelt.
Die Berufsmaturität ist in der Schweiz ein etablierter Bildungsweg: Ein grosser Teil der Absolvierenden beginnt nach Abschluss ein Tertiärstudium, am häufigsten an einer Fachhochschule. Genauere Wege und Statistiken regeln das Bundesgesetz über die Berufsbildung und die zuständigen kantonalen Stellen sowie das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI).
BM1 oder BM2: Welcher Weg passt zu Dir?
Es gibt zwei Wege zur Berufsmaturität: BM1 läuft parallel zur Lehre, BM2 folgt nach dem abgeschlossenen EFZ – beide führen zum identischen Abschluss. Welcher Weg sich eignet, hängt vor allem davon ab, wann Du Dich entscheidest und wie viel Doppelbelastung Du während der Lehre tragen willst.
| Merkmal | BM1 (während der Lehre) | BM2 (nach dem EFZ) |
|---|---|---|
| Zeitpunkt | Parallel zur Lehre | Nach abgeschlossenem EFZ |
| Dauer | 3 Jahre (mit der Lehre) | 1 Jahr Vollzeit oder 1,5–2 Jahre berufsbegleitend |
| Pensum | 9–15 Lektionen pro Woche zusätzlich zur Berufsschule | ca. 36 Lektionen (Vollzeit) bzw. ca. 18 (berufsbegleitend) |
| Voraussetzung | Lehrvertrag und Sekundarschule A | Abgeschlossenes EFZ |
| Vorteil | Früh fertig, BM mit rund 19–20 Jahren | Voller Fokus auf die BM, keine Doppelbelastung mit der Lehre |
| Empfohlen für | Lernstarke mit Ausdauer und gutem Zeitmanagement | Alle, die sich erst nach der Lehre für die BM entscheiden |
Beide Wege führen zum gleichen Ziel. Wer früh weiss, dass ein Studium folgen soll, und die Mehrbelastung während der Lehre tragen kann, fährt mit BM1 gut. Wer sich erst später entscheidet oder während der Lehre voll auf den Beruf fokussieren will, holt die BM über den BM2-Weg nach.
Kauffrau:mann EFZ mit BM an der HSO: Wie läuft das M-Profil ab?
An der HSO absolvierst Du die Berufsmaturität auf dem BM1-Weg im Lehrgang Kauffrau:mann EFZ mit BM (M-Profil), der 3 Jahre dauert und Dich gleichzeitig zum eidgenössischen Fähigkeitszeugnis und zur Berufsmaturität führt. Der offizielle Titel des Abschlusses lautet «Kauffrau/Kaufmann EFZ mit Berufsmaturität».
Der Lehrgang gliedert sich in 4 Semester schulische Ausbildung und 2 Semester betriebliche Ausbildung im Praktikum. Inhaltlich vertiefst Du die kaufmännischen Grundlagen – Finanz- und Rechnungswesen, Wirtschaft und Recht, Information/Kommunikation/Administration – und kombinierst sie mit den allgemeinbildenden BM-Fächern Mathematik, Deutsch, Geschichte und Politik sowie Technik und Umwelt. Am Ende des sechsten Semesters absolvierst Du das Qualifikationsverfahren (QV) für das EFZ und die Berufsmaturitätsprüfung (BMP).
Praktisch heisst das: Die Ausbildung startet jedes Jahr im August nach den Sommerferien und findet vor Ort in Zürich-Oerlikon statt. Für das Praktikum vermittelt die HSO Plätze aus einem Netzwerk von rund 200 Praktikumsbetrieben.
Ein Pluspunkt über den BM-Abschluss hinaus: Während der Ausbildung erweiterst Du Dein Portfolio um international anerkannte Sprachzertifikate (Englisch und Französisch je auf Niveau B2), das freiwillige Informatikzertifikat ICDL sowie ABACUS-Zertifikate. Diese Nachweise sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt und erhöhen Deinen Marktwert zusätzlich zum Abschluss.

Was kostet die Berufsmaturität an der HSO?
Die Gesamtkosten für das Kauffrau:mann EFZ mit BM an der HSO liegen bei rund CHF 41’920, verteilt über die gesamte dreijährige Ausbildung. Die Kosten setzen sich aus den Kurskosten der einzelnen Semester, der Einschreibegebühr und einer Lernressourcenpauschale zusammen.
| Position | Betrag |
|---|---|
| Kurskosten 1.–3. Semester (3 × CHF 8’970) | CHF 26’910 |
| Kurskosten Praktikum 4.–5. Semester (2 × CHF 2’200) | CHF 4’400 |
| Kurskosten 6. Semester | CHF 8’700 |
| Einschreibegebühr | CHF 410 |
| Lernressourcenpauschale | CHF 1’500 |
| Gesamtkosten | CHF 41’920 |
Dazu kommen externe Kosten für die Sprachzertifikate (CHF 200 bis 400) und die ICDL-Prüfungen (CHF 365). Auf der Habenseite steht der Verdienst im Praktikumsjahr: Je nach Kanton verdienst Du im Praktikum rund CHF 15’000, was einen Teil der Ausbildungskosten ausgleicht.
Wichtig zur Einordnung: An öffentlichen kantonalen Berufsmaturitätsschulen ist die BM für Personen mit Wohnsitz im Kanton häufig kostenlos oder deutlich günstiger. Die HSO ist eine private Schule – dafür profitierst Du von kleinen Klassen, persönlicher Betreuung und einem festen Praktikumsnetzwerk. Wer die Finanzierung breiter prüfen will, findet im Beitrag Weiterbildung finanzieren: Subventionen, Stipendien & Steuern die wichtigsten Wege im Überblick.
Aufnahme & Voraussetzungen: Wer wird zugelassen?
Für die Zulassung zum Kauffrau:mann EFZ mit BM an der HSO brauchst Du einen Abschluss der Sekundarschule A und bestehst eine Zulassungsprüfung in Mathematik und Deutsch mit einem Notendurchschnitt von mindestens 4,0. Die Zulassungsprüfung deckt im Fach Deutsch Sprachbetrachtung, Textverständnis und das Verfassen eines Textes ab.
Für den BM2-Weg an öffentlichen Schulen gelten je nach Kanton andere Regeln: Dort ist ein abgeschlossenes EFZ Voraussetzung, und der prüfungsfreie Übertritt ist oft an einen bestimmten Notenschnitt im EFZ geknüpft. Da die genauen Bedingungen kantonal geregelt sind, lohnt sich vor der Anmeldung eine Abklärung bei der zuständigen Stelle.
FH, Uni und ETH: Wie weit öffnet die BM die Türen?
Die Berufsmaturität öffnet Dir den prüfungsfreien Zugang zur Fachhochschule – für ein Studium an einer Universität oder der ETH brauchst Du zusätzlich die bestandene Passerelle-Prüfung. Mit der BM kannst Du also direkt in ein FH-Bachelorstudium einsteigen, etwa in Betriebsökonomie oder International Management, sofern es fachlich zu Deiner BM-Ausrichtung passt.
Willst Du an die Universität oder die ETH, führt der Weg über die Passerelle, eine Ergänzungsprüfung der Schweizerischen Maturitätskommission. Die Vorbereitung dauert rund ein Jahr Vollzeit oder zwei Jahre berufsbegleitend und umfasst Mathematik, Naturwissenschaften, Geistes- und Sozialwissenschaften sowie eine zusätzliche Sprache.
Die BM ist aber nicht nur ein Ticket für die Hochschule. Sie schafft auch eine sehr gute Grundlage für die höhere Berufsbildung – etwa für Lehrgänge mit eidgenössischem Fachausweis oder für den Zugang zur Höheren Fachschule. Wer den Hochschulweg ohne klassische Matur sucht, findet auf der Seite Studieren ohne Matur die verschiedenen Zugänge im Vergleich.
BM-Ausrichtungen: Welche passt zu Dir?
Die Berufsmaturität gibt es in fünf Ausrichtungen, die sich am jeweiligen Berufsfeld orientieren. Welche Ausrichtung in Frage kommt, hängt von Deinem Lehrberuf ab – das kaufmännische M-Profil der HSO gehört zur Ausrichtung Wirtschaft und Dienstleistungen.
- Technik, Architektur, Life Sciences – technisch-naturwissenschaftliche Berufe
- Wirtschaft und Dienstleistungen – kaufmännische und Dienstleistungsberufe (hier liegt die kaufmännische Ausbildung der HSO)
- Gestaltung und Kunst – gestalterische und kreative Berufe
- Gesundheit und Soziales – Gesundheits- und Sozialberufe
- Natur, Landschaft und Lebensmittel – Berufe im Agrar- und Lebensmittelbereich
Karriere-Vorteile: Was bringt die BM für den Einstieg?
Die Berufsmaturität verbindet praktisches Know-how aus der Lehre mit nachgewiesener Studierfähigkeit – diese Doppelqualifikation verbessert in der Regel die Einstiegschancen und das langfristige Lohnpotenzial. Wer früh Verantwortung übernimmt, Projekte leitet und sich danach über FH oder höhere Berufsbildung weiterqualifiziert, hat spürbar bessere Aufstiegsperspektiven als mit dem EFZ allein.
Konkret öffnet die BM zwei Hebel: Erstens den direkten Zugang zu einem FH-Studium, das für viele Fach- und Führungspositionen vorausgesetzt wird. Zweitens den Anschluss an die höhere Berufsbildung, etwa an Lehrgänge mit eidgenössischem Fachausweis in Marketing, HR oder Finanz- und Rechnungswesen. In beiden Fällen ist die BM das Sprungbrett, nicht das Ziel.
An der HSO führen mehrere Anschluss-Lehrgänge direkt weiter:
- Dipl. Betriebswirtschafter:in HF – breite betriebswirtschaftliche Qualifikation für Fach- und Führungsaufgaben.
- Dipl. Wirtschaftsinformatiker:in HF – die Schnittstelle zwischen Wirtschaft und IT.
- Diverse Lehrgänge mit eidgenössischem Fachausweis als Spezialisierung im gewählten Fachgebiet.
Für wen lohnt sich die Berufsmaturität NICHT?
Die Berufsmaturität ist anspruchsvoll und nicht für jede Situation der richtige Weg. In diesen Fällen solltest Du Dir den Schritt gut überlegen oder Alternativen prüfen:
- Wenn die schulischen Grundlagen (noch) fehlen. Die BM verlangt gute Leistungen in Sprachen und Mathematik. Wer aus der Sekundarschule B kommt oder den geforderten Notenschnitt nicht erreicht, fährt oft besser, zuerst über einen Vorkurs aufzuholen.
- Wenn die Doppelbelastung zu gross ist. BM1 bedeutet 9 bis 15 zusätzliche Lektionen pro Woche neben Lehre und Berufsschule. Wer das während der Lehre nicht tragen kann oder will, holt die BM besser später über den BM2-Weg nach.
- Wenn der Zielberuf gar keinen FH-Weg braucht. Nicht jede Karriere führt über die Fachhochschule. Wer ein klares Berufsziel ohne Studium hat, erreicht es oft direkter über die höhere Berufsbildung.
- Wenn das volle Lehrlingsgehalt heute wichtiger ist. Die BM kostet Zeit und an einer Privatschule auch Geld. Wer kurzfristig auf maximales Einkommen angewiesen ist, sollte Kosten und Nutzen sorgfältig abwägen.
Berufsmaturität: Lohnt sie sich wirklich?
Für die meisten, die nach der Lehre studieren oder Fach- und Führungsaufgaben anstreben, lohnt sich die Berufsmaturität – sie ist der direkteste Weg, Praxis und Studierfähigkeit zu verbinden. Du bleibst nah an der Arbeitswelt, verlierst nicht den Boden unter den Füssen und öffnest Dir gleichzeitig die Tür zur Fachhochschule.
Der Schlüssel ist die ehrliche Selbsteinschätzung: Bringst Du die schulischen Grundlagen und die Ausdauer mit, und passt ein FH-Studium oder eine höhere Berufsbildung zu Deinem Ziel? Dann ist die BM ein starker Hebel. Bist Du unsicher, welcher Weg – BM1, BM2 oder eine andere Route – zu Deiner Situation passt, klärst Du das am besten in einem persönlichen Gespräch mit der HSO.
Häufige Fragen zur Berufsmaturität
BM1 absolvierst Du parallel zur Lehre, sie ist nach 3 Jahren zusammen mit dem EFZ abgeschlossen. BM2 holst Du nach dem abgeschlossenen EFZ nach, entweder in einem Jahr Vollzeit oder in 1,5 bis 2 Jahren berufsbegleitend. Beide Wege führen zum identischen Abschluss.
Nicht direkt. Die BM öffnet den prüfungsfreien Zugang zur Fachhochschule. Für ein Studium an einer Universität oder der ETH brauchst Du zusätzlich die bestandene Passerelle-Ergänzungsprüfung.
Das hängt vom Weg und vom Kanton ab. Für das Kauffrau:mann EFZ mit BM an der HSO ist eine Zulassungsprüfung in Mathematik und Deutsch mit einem Notendurchschnitt von mindestens 4,0 nötig. Beim BM2-Weg an öffentlichen Schulen ist der Übertritt oft prüfungsfrei, wenn ein bestimmter EFZ-Notenschnitt erreicht ist.
An öffentlichen kantonalen Schulen ist die BM für Personen mit Wohnsitz im Kanton häufig kostenlos oder stark vergünstigt. Die HSO ist eine private Schule und erhebt Ausbildungsgebühren, bietet dafür kleine Klassen und persönliche Betreuung. Materialien, Sprachzertifikate und Prüfungen verursachen in beiden Fällen zusätzliche Kosten.
Das Kauffrau:mann EFZ mit BM startet jedes Jahr im August nach den Sommerferien. Die HSO führt den Lehrgang vor Ort in Zürich-Oerlikon durch.
Kauffrau:mann EFZ mit BM
Die kaufmännische Grundbildung mit Berufsmaturität (M-Profil): zwei Abschlüsse in 3 Jahren und der prüfungsfreie Weg zur Fachhochschule.
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Dipl. Betriebswirtschafter:in HF
Der breite betriebswirtschaftliche Anschluss-Lehrgang für Fach- und Führungsaufgaben nach der BM.
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