Professional Bachelor vs. FH-Bachelor: Welcher Abschluss passt zu wem?
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Neue Titel, gleiche Verunsicherung: «Ist das jetzt das Gleiche?»
Vielleicht bist du in letzter Zeit über den Begriff «Professional Bachelor» gestolpert und hast dich gefragt: Ist das der neue Name für den FH-Bachelor? Die kurze Antwort lautet: Nein. Aber die Verwirrung ist verständlich.
Der «Professional Bachelor» ist ein Titelzusatz, der Abschlüsse der höheren Berufsbildung (wie den eidg. Fachausweis oder das HF-Diplom) international verständlicher macht. Er zeigt, dass du ein Kompetenzniveau erreicht hast, das dem eines akademischen Bachelors ebenbürtig ist, aber einen völlig anderen Fokus hat.
In der Schweiz haben wir auf der Tertiärstufe zwei Bildungswelten. Beide sind hochwertig, beide führen zu Karrieresprüngen, aber sie funktionieren nach einer unterschiedlichen Logik. Schauen wir uns diese zwei Wege genauer an.
Weg A: Höhere Berufsbildung – Professional Bachelor (HF / eidg. Fachausweis)
Hier bist du zu Hause, wenn du «vom Fach» kommst. Die höhere Berufsbildung (HBB) ist das Herzstück des Schweizer dualen Bildungssystems.
Was zählt dazu?
Der «Professional Bachelor» dockt typischerweise an Abschlüssen wie dem Dipl. Betriebswirtschafter/-in HF oder dem eidg. Fachausweis an. Es geht hier nicht um Theorien im Elfenbeinturm, sondern um das direkte Anwenden von Wissen im Job.
Das Profil: Praxis pur
Der grösste Unterschied ist der Transfer in den Alltag. Du lernst am Samstag oder am Abend etwas, das du am Montag im Büro direkt umsetzen kannst. Das Design dieser Studiengänge ist so ausgelegt, dass du berufsbegleitend studierst, und zwar oft mit einem hohen Arbeitspensum.
Die Zulassung
Hier punktet die HBB mit Durchlässigkeit.
- Standard: Ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis (EFZ) plus Berufserfahrung.
- Matura? Nicht nötig. Deine Erfahrung im Job ist deine Eintrittskarte.
Sichtbarkeit im NQR
Über den Nationalen Qualifikationsrahmen (NQR) werden diese Abschlüsse auf Level 5 bis 6 eingestuft. Das ist die gleiche Stufe wie ein FH-Bachelor. Das Signal an den Arbeitsmarkt: Du hast ein sehr hohes Kompetenzniveau, aber eben praxisorientiert erworben.
Weg B: Fachhochschule – Academic Bachelor (FH)
Die Fachhochschule ist der akademische Weg, der sich an der Schnittstelle zwischen Universität und Praxis bewegt.
Das Profil: Wissenschaftliche Basis
Auch an der FH wird Praxisbezug grossgeschrieben, aber das Fundament ist wissenschaftlich. Du lernst Methodenkompetenz, angewandte Forschung und wissenschaftliches Arbeiten. Der Blickwinkel ist oft analytischer und theoretischer als an der Höheren Fachschule (HF).
Die Studienrealität
Ein FH-Studium verlangt viel Zeit für Selbststudium (ca. 30 Stunden pro ECTS-Punkt).
- Vollzeit: Klassisches Studentenleben.
- Berufsbegleitend: Hier wird oft empfohlen, das Arbeitspensum auf 60 bis maximal 80 % zu reduzieren, um die Belastung zu stemmen.
Die Zulassung
Die Hürden sind hier formaler.
- Standard: Die Berufsmatura (BM) ist meist zwingend.
- Sur Dossier: Eine Aufnahme ohne Matura ist möglich, aber an strenge Auflagen gebunden und eher die Ausnahme.
«Gleichwertig, aber nicht gleichartig»: Präzise erklärt
Diesen Satz hört man oft, aber was bedeutet er konkret für deine Karriereplanung?
Gleichwertig: Beide Abschlüsse befinden sich oft auf dem NQR Level 6. Das bedeutet, das Komplexitätsniveau der Aufgaben, die du lösen kannst, ist vergleichbar. Ein HF-Absolvent und ein FH-Absolvent können beide komplexe Projekte leiten.
Nicht gleichartig: Die Art und Weise, wie du Probleme löst, unterscheidet sich. Der FH-Absolvent nutzt wissenschaftliche Methoden und Modelle. Der Professional Bachelor (HF) greift auf fundiertes Praxiswissen und Transferkompetenz zurück.
Der Knackpunkt: Master-Optionen und akademische Rechte
Hier scheiden sich die Geister oft, und es ist wichtig, die Mechanismen zu kennen.
Der FH-Bachelor
Mit diesem Titel hast du direkten Zugang zu konsekutiven Masterstudiengängen (MSc oder MA) an Fachhochschulen und (mit Auflagen) an Universitäten.
Der Professional Bachelor (HF)
Du hast keinen automatischen Zugang zu einem akademischen Master of Science (MSc). Aber: Du hast Zugang zu Weiterbildungsmastern (MAS, EMBA), sofern du entsprechende Berufserfahrung mitbringst. Für viele Führungskräfte ist der EMBA ohnehin das relevantere Ziel als ein wissenschaftlicher MSc.
Die «Passerelle»-Option
Das ist ein entscheidender Punkt, den viele übersehen: Ein HF-Abschluss ist keine Sackgasse. Dank der Durchlässigkeit im Schweizer System kannst du dir dein HF-Diplom an vielen Fachhochschulen anrechnen lassen. Oft werden bis zu 90 ECTS angerechnet. Das bedeutet, du kannst später in einen verkürzten Bachelor-Studiengang an der FH einsteigen (oft «Passerelle» genannt) und so den akademischen Titel in ca. 1,5 bis 2 Jahren nachholen.
Vergleich auf einen Blick: 7 Entscheidungskriterien
Damit du die Übersicht behältst, hier die harten Fakten im Vergleich:
- Lernstil: Konkret und anwendungsorientiert (HF) vs. wissenschaftlich und methodisch (FH).
- Zulassung: EFZ + Berufspraxis (HF) vs. Berufsmatura (FH).
- Arbeitsmodell: 80-100% möglich (HF) vs. oft max. 60-80% empfohlen (FH).
- Finanzen: Voller Lohn möglich (HF) vs. oft Lohneinbusse durch Teilzeit (FH).
- Dauer: Meist 3 Jahre berufsbegleitend (beide ähnlich, aber unterschiedliche Intensität).
- Kosten: HF-Studiengänge werden kantonal stark subventioniert (bzw. bei Fachausweisen via Subjektfinanzierung des Bundes unterstützt), was die Gebühren attraktiv macht.
- Titel: Dipl. … HF / Eidg. Fachausweis (Professional Bachelor) vs. Bachelor of Science/Arts (Academic Bachelor).
Entscheidungspfad für Anna: 3 Fragen, die dich zum passenden Weg führen
Stell dir vor, du heisst Anna, bist 24, hast dein EFZ in der Tasche und willst weiterkommen. Welcher Weg passt?
- Willst (oder musst) du 80–100 % weiterarbeiten? Wenn du auf deinen vollen Lohn angewiesen bist oder deine Karriere im Betrieb nicht pausieren willst, ist die HF (Professional Bachelor) der sicherere Weg. Ein FH-Studium neben einem 100%-Job ist extrem belastend und führt oft zu Studienabbrüchen oder Burnout.
- Ist ein wissenschaftlicher Master (MSc) dein zwingendes Ziel? Wenn du unbedingt in die Forschung willst oder einen sehr spezifischen akademischen Master anstrebst, führt der Weg fast nur über die Berufsmatura und die FH.
- Wie lernst du am besten? Löst du lieber eine konkrete Fallstudie aus deinem Berufsalltag (HF) oder arbeitest du dich gerne durch theoretische Modelle und Statistiken (FH)?
HSO-Perspektive: Warum der Professional Bachelor oft der effizientere Weg ist
Bei der HSO erleben wir oft, dass der Weg über die Höhere Fachschule (HF) für Berufstätige die «Financial & Career Smart Choice» ist. Warum?
- Kein Einkommensverlust: Unsere Studiengänge sind so konzipiert, dass du 100% arbeiten kannst. Du finanzierst dein Leben und Studium selbst, ohne dich einschränken zu müssen.
- 3 Jahre Berufserfahrung Vorsprung: Während FH-Studenten ihr Pensum reduzieren, sammelst du volle Berufserfahrung. Nach drei Jahren hast du nicht nur ein Diplom, sondern auch drei Jahre mehr Praxis im Lebenslauf als deine FH-Kollegen.
- Die Sicherheit der Passerelle: Du verbaust dir nichts. Starte mit der HF, hol dir den Titel und den Job-Boost. Solltest du später doch noch den akademischen Titel wollen, nutzt du die Anrechnung deiner ECTS und holst den FH-Bachelor verkürzt nach.
Nächster Schritt: So triffst du die Entscheidung
Lass dich von den Titeln nicht blenden. Schau auf deinen Alltag, dein Budget und deinen Lernstil. Beide Wege sind hervorragend, entscheidend ist jedoch, welcher zu deinem Leben passt.
Bist du bereit für den nächsten Karriereschritt ohne Lohneinbussen? Dann schau dir unsere HF-Studiengänge genauer an oder komm auf eine Beratung vorbei. Wir finden gemeinsam heraus, welcher Pfad dich am besten ans Ziel bringt.
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